Aufklärung im Futterdschungel – Die Deklaration

Liebe Hundemenschen (betrifft auch Katzenmenschen),

Aufgrund vieler Anfragen „zwischendurch“ und meinem Wunsch nach Aufklärung, möchte ich Euch mit dem Thema Hundefutter bombardieren und Euch Stück für Stück die Augen öffnen.

Vorab möchte ich daran erinnern: Ich bin eine von Euch! Ich habe mich selbst auf große Namen verlassen und hatte keine Ahnung wie sehr gepfuscht wird..

Das Thema dieses Beitrags ist die Deklaration

Was heißt „Deklaration“?

Eine Deklaration ist erstmal nur eine Erklärung. In unserem Fall eine Inhaltsangabe des Futters. Allerdings sind nicht alle Futter gleich deklariert und dies bringt uns zu Problem 1.

Was MUSS deklariert werden?

  • Es MUSS angegeben werden um was für Futter es sich handelt (Alleinfuttermittel/ Diätfuttermittel)
  • für welche Tierart das Futter ist
  • die analytischen Bestandteile (nur bedingt Aussagekräftig)
  • die Zusammensetzung in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile
  • die Zusatzstoffe
  • Registrierungsnummer, Chargennummer, Haltbarkeitsdatum, Fütterungsempfehlung

Ihr seht, es gibt viel Spielraum für Pflichtangaben. Die analytischen Bestandteile müssen nun angegeben werden. Das nächste Problem ist, dass diese Angabe NICHTS über die Qualität aussagt! Wenn also in der Zusammensetzung nicht GENAU angegeben ist, wie viel Prozent Leinöl, Lammfett o.ä. drin ist, könnte Euer Rohfett auch aus Fritteusenfett bestehen. Zumindest teilweise… lecker, oder?

Die Zusammensetzung, Problem 2

Nun, „in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile“ klingt gut. So weiß man schließlich, dass viel Fleisch drin ist wenn es an erster Stelle steht. FALSCH!

Auch hier gibt es Möglichkeiten für die Hersteller das Futter aufzuhübschen. Zum einen, bezieht sich die Angabe immer auf das Rohgewicht VOR der Herstellung. Steht also „70% Fleisch“ auf dem Trockenfuttersack, so sind 70% Fleisch für die Verarbeitung verwendet worden.. übrig bleiben davon nach Abzug der Feuchte etc.pp. allerhöchstens 17%.

Weiter kann der Hersteller über die Art der Angabe entscheiden. Er kann schreiben „Getreide, Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“. Damit steht Getreide an erster Stelle und viele Kunden sind abgeschreckt. Er kann aber auch schreiben „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Mais, Reis, Maismehl, ….“ und damit steht Fleisch an erster Stelle obwohl die Gruppe der Getreide überwiegt. Clever, oder?

Problem 3: Der Hersteller kann „offen“ oder „geschlossen“ deklarieren

Es ist eine Kunst zwischen den Zeilen zu lesen, doch man kann sie erlernen!

Die meisten Hersteller wählen eine GESCHLOSSENE Deklaration. Das erkennt man als Laie nicht sofort, denn eigentlich klingt alles ganz gut. In einer geschlossenen Deklaration, nennt der Hersteller die Nährstoffgruppen. Hier erfährt man jedoch keine Angabe über die Rohstoffe oder prozentuale Zusammensetzung.

In der OFFENEN Deklaration jedoch, wird jeder einzelne Bestandteil des Futters aufgelistet. Damit kann man zumindest genau sagen, was alles im Futter enthalten ist. Auch dann klingt so manches Futter noch besser als es ist. Doch die Einzelnen Komponenten nehme ich in einem weiteren Beitrag auseinander.

Trockenfutter

GESCHLOSSENE Deklaration (nicht gewünscht)

Zusammensetzung

Frisches Hähnchenfleisch (70 %), Bruchreis, Mais (gentechnikfrei), getrocknetes Hühnerprotein, hydrolisiertes Geflügelprotein, getrocknete Bierhefe, getrocknete Apfelpulpe, Lachsöl, Yucca-Extrakt, kaltgepresstes Leinsamenöl, kaltgepresstes Olivenöl, Grünlippmuschel-Extrakt, getrocknete Karotten, getrocknete Tomaten, getrocknete Aufrechte Studentenblume, getrockneter Löwenzahn, getrockneter Brokkoli, getrockneter grüner Tee, getrocknete Kamille, getrockneter Oregano, getrocknete Mariendistelsamen, getrocknete Cranberrysamen, getrocknete Algen, Kaliumchlorid.

Zusatzstoffe pro kg*

Vitamine: (3a672a) Vitamin A 10.000 IE, (3a671) Vitamin D3 1.600 IE,
(3a700) Vitamin E 150 mg.

Spurenelemente: (3b104) Eisen Fe (Eisensulfat, Heptahydrat) 75 mg, (3b201) Jod I (Kaliumiodid) 3 mg, (E-4) Kupfer Cu (Kupfersulfat, Pentahydrat) 19 mg, (3b503) Mangan Mn (Mangansulfat, Monohydrat) 40 mg, (3b603) Zink Zn (Zinkoxid) 50 mg, (3b607) Zinc Zn (Glycin-Zinkchelat-Hydrat) 100 mg, (E-8) Selen Se (Natriumselenit) 0,4 mg.

Analytische Bestandteile: Rohprotein 26%, Rohfett 16%, Rohasche 7,9%, Rohfaser 2,0%, Calcium 1,5%, Phosphor 1,0%, Feuchtigkeit (natürlicher Gehalt) 19%

Nassfutter

OFFENE Deklaration (gewünscht)

Zusammensetzung:

Rind, Kartoffeln, Karotten, Rosmarin, Lachsöl

65% Fleischanteil ausschließlich Rind, bestehend aus Rindfleisch, Rinderlunge, Rinderherz, Rinderschlund, Rinderleber, Rinderniere, 26,9% Wasser, 4% Kartoffeln, 2% Karotten,1% pflanzliche Dickungsmittel, 0,5% Rosmarin, 0,5% Lachsöl, 0,1% Algenkalk

Inhaltstoffe

Rohprotein 10,5% Rohfett 7,0% Rohasche 1,8% Rohfaser 0,6% Calcium : Phosphor = 1,2 : 1

Rindfleisch 24,0% Rinderlunge 23,0% Rinderherz 19,0% Rinderschlund 13,0% Feuchtigkeit 77,0% Rinderniere 11,0% Rinderleber 10,0% Umsetzbare Energie in Kcal/100 g: 119,4kj/100 g: 500

Problem 4: Fleischkategorie

Welches Fleisch kommt ins Hundefutter? Nun, die Fleischqualität ist in verschiedene Kategorien eingeteilt. Sofern also nicht auf dem Futter steht um welches Fleisch es sich handelt, darf „Kategorie 3“ als wahrscheinlich angenommen werden. Kategorie 1 und 2 sind verboten und werden hier nicht näher ausgeführt.

Material der Kategorie 3 umfasst geschlachtete oder getötete Tiere, die zwar als genusstauglich gelten, aus kommerziellen Gründen aber nicht zum menschlichen Verzehr geeignet bzw. dafür bestimmt sind. Dies sind v.a. Teile von Tieren, die in der Mensch selten isst, aber durchaus hochwertige Futtermittel darstellen, z.B. Pansen, Lunge, Leber, Zunge, Herz, Euter, Knochen usw. Rein theoretisch gehören hierzu aber auch minderwertigere Futtermittel, bzw. Nebenprodukte, „die nicht für menschlichen Verzehr geeignet“ sind, wie Häute, Hufe, Ohren oder Hühnerfüße. Im Grunde finde ich es nicht schlimm, dass unsere Hunde „die Reste verwerten“. Jedoch sehe ich es als Problem, wenn es nicht vom Tisch in den Hund fällt sondern vom Schlachter erst einige Tage braucht um im Futtersack oder in der Dose zu landen.

Solange also nicht „Lebensmittelqualität“ drauf steht, kann man davon ausgehen, dass das preisgünstigste „Fleisch“ verwendet wurde.

Fazit:

So mehr Informationen in Prozentangaben zu finden sind, desto sicherer kann man sein. Achtet bitte auf eine OFFENE VOLLDEKLARATION und rechnet immer zusammen ob Ihr auf 100% Inhalt kommt.

Weiter empfehle ich dringend Trockenfutter gegen Nassfutter oder B.A.R.F. zu tauschen. Mehr Informationen dazu findet Ihr HIER

Es folgen noch weitere Beiträge zum Thema Futter und ich bin für Fragen und Anregungen gerne offen 😉

Buchempfehlung zu dem Thema: „Katzen würden Mäuse kaufen“  von Hans-Ulrich Grimm